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13. An Podewils1
Man tut nicht alles, was man könnte

Emsiger Freund, Du, der den Frieden liebt
Und unsrem Staatsschiff Ziel und Richtung gibt,
Der meine Plane schaffensfroh erfüllt
Und offnen Augs für unsre Wohlfahrt wacht —
Du siehst gewiß, hast Du des Weltlaufs acht,
Der täglich Deinen Blicken sich enthüllt,
Wie überall bei jedem Menschenschlag,
Vom Mönch zum Papst, vom Schreiber bis zum Thron,
Keiner so viel vollbringt, als er vermag!
Blind tritt in seines Vaters Spur der Sohn;
Voll schlimmer Bräuche ist ein jedes Land;
Man klagt und duldet, doch man bessert nicht.
Wenn einer, für des Staats Gedeihn entbrannt,
Dem Allgemeinwohl neue Bahnen bricht,
Gleich wird er matt im allerersten Lauf
Und gibt die halbgelungne Arbeit auf.

Nur jene Hochgesinnten, die wir ehren,
Der Menschheit dienend ohne Dankbegehren,
Weltbeßrer, die in segensreichen Gaben
Ihr schönstes Denkmal sich errichtet haben,
Nur diese Göttlichen voll Willensstärke
Vollbrachten ihre vorgesetzten Werte.
Allmächtig ist der Wille; wer vorm Ziele
Erlahmt, gleicht einem, der erwacht, sich regt
Und wieder sich aufs Pfühl zum Schlummer legt.


1 Der Kabinettsminister Graf Heinrich Podewils.