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So wurde diese große Fülle von ehrgeizigen Plänen, klug erdachten und geheimgehaltenen Entwürfen zunichte. So wurde diese Fülle von Kämpfen, Mordtaten, Grausamkeiten, Meineiden und Treulosigkeiten gegenstandslos. Wie oft hatte sich Borgia aus eigener Lebensgefahr, aus arger Klemme und Verlegenheit mit Glück wieder herausgezogen. All das förderte nun sein Geschick keinen Deut, machte dafür seinen Sturz nur noch gewaltiger, noch mehr in die Augen fallend — der Fluch der Ehrsucht. Dieser Truggeist verheißt Güter, die er gar nicht zu vergeben, gar nicht zu eigen hat. Der Ehrsüchtige gleicht einem Tantalus, der mitten im Wasser stehend, nie seinen Durst löschen kann und niemals löschen wird.

Ist es der Ruhm, dem ein Ehrgeiziger nachstrebt? Wahrlich nein! Ein Trugbild des Ruhmes ist es, hinter dem er herläuft, wo sogar der echte nur wie ein Wölkchen Rauches ist. Verlieren sich doch die großen Männer unserer Tage unter der unendlichen Menge derer, die Großes geleistet, Heldenwerk vollbracht haben, so wie das Wasser kleiner Flußläufe, das man sieht, solang sie in ihrem Bette rinnen, das aber unserm Auge entschwindet, sobald es an der Mündung sich unter die Fluten eines unermeßlichen Weltmeeres mischt.

So ist also Glück das Endziel der Ehrsucht? Das wird sie noch weniger erjagen als den Ruhm. Mit Stacheln und Dornen ist ja ihr Weg besät, Sorgen, Kummer und endlose Mühsal sind ihr zugedacht. Das rechte Glück gehört von Hause aus so wenig zum Menschengeschick wie der Leib Hektors an den Wagen des Achill. Glück gibt's für den Menschen nur in seiner eigenen Brust, und nur Weisheit vermag da diesen Hort zu heben.