<248> Stellung läßt sich nur mit großen Opfern erobern, und in gebirgigen Gegenden fällt die Verfolgung nie entscheidend aus. Wohl aber würde ich mein Lager gut sichern, es mit größter Sorgfalt befestigen und vor allem danach trachten, die feindlichen Detachements gründlich zu schlagen. Denn durch Vernichtung eines detachierten Korps bringt Ihr Verwirrung in die ganze Armee, und es ist leichter, 15 000 Mann zu erdrücken, als 80 000 zu schlagen; die Wirkung aber ist bei geringerem Wagnis fast die gleiche. Viele kleine Erfolge erringen, heißt allmählich einen Schatz aufhäufen. Mit der Zeit wird man reich und weiß selbst nicht wie.

Angriffe auf starke Stellungen darf man nur im äußersten Notfalle unternehmen. Warum? Weil alle Nachteile auf seiten des Angreifers sind. Wenn ein geschickter Heerführer eine feste Stellung nimmt, wird er keine Anhöhe bis auf 3 000 Schritt, wo er eine Batterie errichten könnte, unbesetzt lassen. Eure Kavallerie dürft Ihr nicht gleich zu Beginn der Schlacht ins Feuer führen, wollt Ihr sie nicht unnütz zugrunde richten. Gegen eine beherrschende Anhöhe könnt Ihr weder mit Gewehr- noch mit Geschützfeuer etwas ausrichten. Das hieße, Bauern, die nur Knüppel tragen, gegen Leute führen, die bis an die Zähne bewaffnet sind. Ihr habt das feindliche Gewehrund Geschützfeuer und das noch viel mörderischere Kartätschfeuer auszuhalten, außerdem das der Kavallerie, die der Feind ebenfalls gebrauchen könnte.

Zwingt Euch trotz so vieler Hindernisse ein höheres Gebot, solchen Gefahren die Stirn zu bieten, so gibt es immer noch Mittel dazu. Ihr dürft nur einen Abschnitt der Stellung angreifen, den rechten oder linken Flügel oder die Mitte, je nachdem man es leichter findet. Hält man sich aber nicht an die beherrschende Höhe in diesem Gelände, so geht man seiner ersten Erfolge wieder verlustig; denn der erste Ansturm entscheidet das Los der Schlacht, und die Truppen verlieren den Mut, wenn sie nach einem ersten Erfolg über den Feind auf eine größere Schwierigkeit stoßen1.

Folgendes schreiben die taktischen Regeln für den Schlachtplan vor. Die Armee marschiert der feindlichen Stellung schräg gegenüber auf, sodaß der Angriffsflügel dem Feinde näher sieht als der ihm versagte2. Vor der Armee formieren sich in einem oder zwei Treffen die zum Angriff bestimmten Truppen. In Ermangelung der Kanonen errichtet man Haubitzbatterien, um das Feuer der Stellung zu dämpfen und den Angriff zu unterstützen. Den ersten Angriff würde ich den Freibataillonen zuweisen, und zwar in zerstreuter Ordnung und im Schützengefecht. Je mehr sie das feindliche Feuer auf sich lenken, in um so besserer Ordnung können die regulären Truppen an den Feind herankommen. Ich würde Kanonen bereithalten, um den Angreifern zu folgen und in der eroberten Stellung sofort aufzufahren. Dann ließe ich neue Infanterie zur Unterstützung vorrücken, um den Sieg zu vollenden, und in dem Maße, wie man diese einsetzte, käme auch die Kavallerie an die Reihe. Angenommen, es sei physisch oder moralisch unmöglich, die Stellung zu nehmen, so ließe


1 Vgl. S. 158.

2 Vgl. S. 152. 163.