<247> Großem führt1. Ein Beispiel dafür. Als wir 1757 in Böhmen einrückten, ging mein Plan dahin, alle österreichischen Truppen von den Enden der Provinz nach der Mitte zusammenzutreiben. Unter diesen Umständen konnte eine Schlacht das Schicksal des ganzen Krieges entscheiden. Der Plan scheiterte, weil sich die ganze Armee des Prinzen Karl nach unsrem Siege bei Prag in die Festung warf, wodurch die Belagerung unmöglich wurde. Zweitens verloren wir die Schlacht von Kolin. Hätten wir sie aber gewonnen, so hätte sich die Armee in Prag auf Gnade und Ungnade ergeben müssen. Die Franzosen hätten dann nicht gewagt, über den Rhein zu gehen; die Russen wären an der Grenze von Kurland geblieben, und der Wiener Hof hätte sich den Frieden diktieren lassen müssen.

Solche großen Pläne sind nicht immer erfolgreich. Gelingen sie aber, so entscheiden sie den Krieg. Beweis: der Feldzug des Prinzen Eugen, der durch den Entsatz Turins ganz Italien von den Franzosen befreite (1706); Beweis: sein Feldzug in Bayern und die Schlacht bei Höchsiädt (1704); Beweis: seine Belagerung von Belgrad (1717)2. Solche Beispiele muß man sich zum Muster nehmen. Entwerft Ihr vier solcher Pläne und habt Ihr mit einem Glück, so seid Ihr für alle Mühe belohnt.

Den Hsierreichern gegenüber ist nur noch auf Stellungskriege zu rechnen3. Die Beweglichkeit unsrer Infanterie und die Überlegenheit unsrer Kavallerie zwingen sie, weite Ebenen zu meiden. Außerdem liefern ihnen Böhmen, Mähren, die sächsischen und schlesischen Grenzen ein geeignetes Gelände, um sich auf die Verteidigung zu legen. Ich habe keinerlei Anlaß zu glauben, daß sie sich auf Entscheidungsschlachten einlassen werden. Wohl aber werden sie mit überlegenen Kräften über die Detachements herfallen, um sie aufzuheben oder zu vernichten. Kommt es also bei meinen Lebzeiten noch zum Kriege, so kann ich Euch sagen, wie ich gegen sie verfahren würde. Um aber genau anzugeben, was alles zu geschehen hätte, müßte man genau wissen, wie die Lage beim Ausbruch des Krieges ist, welche Verbündeten wir und die Österreicher haben, in welchem Lande der Krieg geführt wird, kurz, alle näheren Umstände der künftigen Konstellation, die ich nicht kenne, da ich kein Prophet bin.

Zunächst würde ich so weit in Feindesland eindringen, als die Lebensmittel, die ich mitführen kann, es erlauben, dann auf Kosten des Feindes leben und mir das günstigste Gelände zum Kriegsschauplatz auswählen. Ich würde versuchen, meine Operationsbasis zu sichern, bevor der Feind in meine Nähe käme, würde das Gelände nach allen Seiten so weit auskundschaften lassen, als man Streifkorps vorschicken kann, würde rasch Karten von allen Örtlichkeiten aufnehmen lassen, die der Feind zum Lager benutzen könnte, und von allen Straßen, die dahin führen. Dadurch würde ich mir Kenntnis des Landes verschassen, und meine Karten gäben mir Aufschluß über alle angreifbaren und unangreifbaren Stellungen, die die Österreicher besetzen könnten. Zu einer Schlacht würde es mich nicht drängen; denn eine feste


1 Vgl. S. 202.

2 Vgl. S. 229 f.

3 Vgl. S. 118 ff. und 127