<174>Aber ist's denn nur der Fremde, der gefährlich werden kann?
Ernst will's werden! Mit Selbsttäuschung ist es bald nicht mehr getan!
Habt ein Auge auf die Donau! Eh' ihr's denkt, hat sie geboren
Euren Zwingherrn euch! Indes ihr mich bekriegt, ihr blinden Toren,
Birgt ihr brechend Aug' die Freiheit, das in Zornestränen schwimmt
Um ein Volk, das, niedren Sinnes, Sklavenketten auf sich nimmt.
Laßt die Narrheit endlich fahren
Eines wirren Fanatismus:
Ihr vermehrt nur die Gefahren,
Helft nur eueren Cäsaren
An dem Bau des Despotismus!...

Aus den Blättern der Geschichte lernt, wie„s schon einmal gegangen:
Seht den fünften Karl, dem alle Weltmachtpläne schier gelangen!
Er, das Oberhaupt der Deutschen, die da uneins und zerspalten,
Ließ in dreisier Herrenwillkür seine Spanier hier walten,
Eure Länder all zu knechten, zu entwürd'gen eure Ahnen;
Eure ersten Fürsten macht' er zu Tyranne-Untertanen.
Wieviel Ketzerblut vergossen
Hat doch jener Ferdinand,1
Der gewaltsam umgestoßen
Jedes Recht, das ihn verdrossen,
Als Tyrann im deutschen Land.

Doch ich pred'ge tauben Ohren! Es verdrießt euch wohl gewaltig?
Steht mir Rede, Unglückselige! — Doch sie schweigen hinterhaltig.
Schmählich sind sie abgefallen von dem Manneswert, dem alten,
All ihr Freiheitssinn, von frecher Herrenfausi in Schach gehalten,
Hat gelernt, die Stirn zu beugen, sich ins Sklavenlos zu finden,
Unterm Fuße von Tyrannen sich zu schmiegen, sich zu winden!
Ja, sie lassen sich bedrücken
Ohne jede Gegenwehr!
Ihre Feigheit wird sich bücken,
Sich gewöhnen und sich schicken
In der Kettenlasi Beschwer.

Fort von hinnen, meine Preußen! Laßt den Wandersiab uns fassen!
Bleib' denn allen Kriegesnöten, allem Elend überlassen


1 Kaiser Ferdinand III. (1637—1657).