<242>

Die Quartiermeister und Ingenieure

Die Taktik wird zur unnützen Kunst, wenn sie nicht dem Gelände angepaßt istBei richtiger Kenntnis des Geländes findet man erstaunliche Hilfsmittel im Unglück. Auf diesem Grundsatz beruhen die wahren Erfolge, und die meisten Feldherren, denen ein Unglück zustößt, haben das lediglich der Nichtbeachtung jener Regeln oder auch ihrer Unwissenheit zuzuschreiben. Das Gelände ist für den Soldaten dasselbe wie das Schachbrett für den Schachspieler, der mit seinen Bauern, Läufern, Türmen usw. Züge machen will.

Die Griechen erteilten den jungen Bürgern, die sich dem Waffenhandwerk widmeten, Unterricht in der Taktik, Geometrie und Militärgeographie. Ich habe eingesehen, wie nützlich eine solche Einrichtung in Preußen ist, und habe sie nachgeahmt. Ich lasse junge, begabte Offiziere unter meinen Augen Arbeiten über alles machen, was sich auf die Lagerkunst, die Fortifikation und die Dispositionen zu Kriegsoperationen bezieht, wie die Taktik sie lehrt. Aber die jungen Leute machen bei ihrem großen Leichtsinn und ihrer Neigung zu Ausschweifungen keine großen Fortschritte. Sie sollen bei den verschiedenen Armeen für die Lager und Märsche verwandt und den Detachementsführern beigegeben werden, um Stellungen für sie auszusuchen und die Märsche ihrer Kolonnen zu bestimmen. Da sie alle möglichen Dispositionen lernen und stets im großen arbeiten, so müssen aus ihnen mit der Zeit ausgezeichnete Generale hervorgehen, wenn sie durch ihren unseligen Hang zu Ausschweifungen nicht auf Abwege geraten.

Die Ingenieuroffiziere können in doppelter Weise verwandt werden. Einige haben Talent für die Feldbefestigungskunst: die kann man auf die Armeen verteilen. Andre beschränken sich auf den Angriff und die Verteidigung fester Plätze: die müssen den Festungen zugeteilt und herangezogen werden, wenn man eine Belagerung vorhat.

Ein großer Fehler unsrer Infanterieoffiziere ist ihr geringes Interesse für die Fortifikation und die meist krasse Unkenntnis des Geländes und der Vorteile, die man daraus ziehen kann. Sie drillen zwar ihre Leute gut ein, und das ist ja auch sehr nötig und wesentlich, aber sie vernachlässigen jene Kenntnisse, die Offiziere wie sie nicht entbehren können. Dank den Fortifikationsschulen1, die ich in allen Provinzen eingerichtet habe, werden unsre jungen Subalternoffiziere ihre Vorgänger übertreffen. Wenn sie zu höheren Stellungen gelangt sind, wird man die Wirkung ihrer besseren Ausbildung merken.


1 Unterrichtskurse für Offiziere (seit 1763) am Sitz der Inspektionen, die während der vier Winter monate stattfanden und sich namentlich auf Fortifikation und Geographie erstrecken. Vgl. S. 276 f.