<14> schwächt nur die Kräfte eines Fürsten; denn seine höchste Macht besieht in der großen Zahl derer, die ihm gehorchen. Im anderen Fall wird eine schwache Kopfzahl an Siedlern euch schwerlich für die Sicherheit in dem eroberten Gebiete stehen können, da diese Handvoll Menschen nicht gegen die Eingesessenen aufkommen kann. So werden die, so ihr von Haus und Hof jagt, ins Elend kommen, ohne daß ihr Gewinn davon habt.

Viel besser also, man schickt Truppen in die neu unterworfenen Gebiete; die bringen Zucht und Ordnung mit, drücken die Bevölkerung nicht und fallen auch den Städten, wo man ihnen Standorte anweist, nicht zur Last. Freilich zur Steuer der Wahrheit muß ich hier bemerken: zur Zeit Machiavells waren die Truppen etwas ganz anderes als heutzutage. Die Landesherren unterhielten keine großen Heere, jene Truppen waren meist nur Räuberhaufen, die gemeiniglich nur von Gewalttat und Raub lebten; von Kasernen wußte man noch nichts, ebensowenig von den tausenderlei Dienstvorschriften, die in Friedenszeiten der Frechheit und Liederlichkeit der Soldateska einen Zügel anlegen.

In bedenklichen Fällen, das ist mein Grundsatz, scheinen die glimpflichsten Maßnahmen stets die besten.

„Ein Fürst soll die kleineren Nachbarfürsien an sich ziehen, sich zu ihrem Schirm, Herrn aufwerfen und Zwietracht zwischen ihnen säen; so wird er's in der Hand haben, sie zu erheben oder zu erniedrigen.“ So der vierte Satz Machiavells — fürwahr die Lehre eines Mannes, der glauben möchte, die Welt sei nur für ihn geschaffen. Die frevelhafte Tücke Machiavells erfüllt sein ganzes Werk gleich dem Gestank eines Schindangers, der ringsum die Luft verpestet. Ein anständiger Mensch würde den Mittler spielen unter jenen kleinen Fürsten, ihre Händel gütlich schlichten und sich ihr Vertrauen durch seine Redlichkeit, seine unverkennbare Unparteilichkeit bei ihren Zwistigkeiten und seine völlige Uneigennützigkeit verdienen. Seine Macht gäbe ihm die Stellung eines Vaters unter seinen Nachbarn, nicht ihres Bedrückers, und seine Größe wäre ihr Schutz, nicht aber ihr Verderben.

Freilich, Fürsten, die anderen zum Aufstieg verhelfen wollten, haben damit oft sich selbst ihren Niedergang bereitet; unser Jahrhundert weist hierfür zwei Beispiele auf: das Karls des Zwölften, der Stanislaus auf den Thron von Polen erhob1, und ein anderes noch jüngeren Datums2.

Mein Schluß lautet demnach: Thronraub verdient niemals Ruhm; Meuchelmord wird zu aller Zeit ein Abscheu des Menschengeschlechtes sein; Herrscher, die sich mit Unrecht und Gewalttat an ihren neuen Untertanen vergehen, werden sich die Herzen aller entfremden, anstatt sie zu gewinnen. Rechtfertigung des Verbrechens ist ein Unding; wer je die Sache des Unrechts führen will, wird ebenso zum Erbarmen


1 Stanislaus Leszczynsti war von 1704 bis 1709 und darauf von 1733 bis 1738 nochmals König von Polen.

2 Anspielung auf den Polnischen Erbfolgekrieg (1733—1735), der Kaiser Karl dem Sechsten das Herzogtum Lothringen, die Krone von Neapel und Sizilien und einen Teil der Lombardei kostete.