5. Verpflegung und nötige Vorsichtsmaßregeln

Eine Armee ist eine Masse von Menschen, die täglich ernährt werden will. Ihre Verpflegung besieht aus gutem Brot, gutem Fleisch, Gemüsen, die man im Umkreis des Lagers findet, Branntwein und, wenn möglich, Bier. Es genügt nicht, alle diese Lebensmittel bei der Armee reichlich zu haben, sie müssen auch wohlfeil sein. Zur Deckung seiner Bedürfnisse legt man Magazine an der Grenze an, bei der man seine Operationen beginnen will. Bietet sich ein Fluß zur Beförderung, so verlädt man Vorräte für mehrere Monate darauf, je nachdem man ihrer zu bedürfen glaubt. Ist kein Fluß vorhanden, so führt man Mehl für ein bis zwei Monate auf Wagen mit, errichtet ein Hauptdepot an einem Orte, den man mit Erdwerten, Palisaden usw. befestigt, und legt eine starke Besatzung hinein, die dann die Bedeckung für die täglichen Proviantzüge nach dem Lager stellt. Wir besitzen Handmühlen, die wir benutzen können, um uns auf längere Zeit zu verproviantieren.

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Eine gute Art, die Proviantzüge zu sichern, ist diese: Man schiebt ein starkes Korps zwischen den Feind und den Transport und gibt ihm eine besondere Bedeckung. Der Feind wagt dann zwischen dem Detachement und der Bedeckung nichts zu unternehmen. Dadurch hält man ihn in Respekt. Auch muß man vorher alle Stellungen und Defileen besetzen, die der Transport zu passieren hat, damit der Feind sie seinerseits nicht benutzen kann. Außerdem muß man die Wagen jedesmal, wo sie solche Stellen passieren müssen, auffahren lassen.

Die Verpflegungsfrage ist die wichtigste. Will der Feind einen Verteidigungskrieg führen, so kann er Euch nur bei Euren Lebensmitteln fassen. Alle seine De-tachements haben nur diesen Zweck, und alle seine leichten Truppen sind deswegen im Felde. Ihr müßt also die größte Vorsicht, ja übertriebene Maßregeln zur Sicherung Eurer Proviantzüge anwenden; denn wenn Hunger und Not Euch überwältigen, ist Eure Niederlage größer, als wenn Ihr eine Schlacht verliert.