<73>lern verboten worden war. Die Österreicher hielten ihn für beträchtlich, da sie ihn vom Gegner respektiert sahen, und blieben dem Prinzen von Holstein gegenüber tatenlos stehen.

Inzwischen hatten die Bayreuther Dragoner die Höhe von Süptitz gesäubert. Nun sandte der König das Regiment Prinz Moritz dorthin, das noch nicht im Kampf gestanden hatte, während der tapfre und verdienstvolle Lestwitz1 ein Korps von 1 000 Mann aus verschiedenen bei den ersten Angriffen zurückgeworfenen Truppen formierte und es wieder ins Feuer führte. Diese Truppen bemächtigten sich der Süptitzer Höhe und setzten sich dort mit allen Kanonen fest, die sie in der Eile zusammenbringen konnten.

Endlich war Zieten an seinem Bestimmungsort eingetroffen und griff nun seinerseits an. Schon war es Nacht, und um einen Kampf von Preußen gegen Preußen zu verhindern, schlug die Infanterie auf den Süptitzer Höhen immerfort Marsch. Zieten hatte sie bald erreicht. Kaum aber stellten sich die Truppen dort in einiger Ordnung auf, so rückte Lacy mit seinem Korps an, um die Preußen zu vertreiben. Allein er kam zu spät! Zweimal wurde er zurückgeworfen und zog sich aus Schreck über einen so üblen Empfang um halb zehn Uhr abends auf Torgau zurück. Damit endete die Schlacht.

In den Süptitzer Weinbergen standen die Österreicher und Preußen einander so nahe, daß eine Menge Offiziere und Soldaten beim Umherirren in der Dunkelheit auf beiden Seiten gefangen genommen wurden. Und doch war schon alles zu Ende, und Ruhe und Ordnung waren hergestellt. Ja, sogar als der König selbst nach dem Dorf Neiden reiten wollte, um Siegesbotschaften auszufertigen und den Befehl zu ihrer Bekanntmachung in Brandenburg und Schlesien zu geben, hörte man Räderrollen in der Nähe der Armee. Auf die Frage nach der Losung ertönte die Antwort: Österreicher. Nun stürzte die Bedeckung des Königs darauf los und nahm ein ganzes Pandurenbataillon mit 2 Kanonen gefangen, das sich im Dunkel der Nacht verirrt hatte. Hundert Schritt weiter begegnete der König einem Trupp zu Pferde, der auf das Wer da? antwortete: österreichische Karabiniers. Die Bedeckung des Königs griff sie an und zerstreute sie in den Wald. Einige wurden gefangen und sagten aus, sie hätten sich mit Ried im Walde verirrt und geglaubt, die Kaiserlichen hätten das Schlachtfeld behauptet. Der ganze Wald, den die preußische Armee vor der Schlacht durchquert hatte und an dem der König nun entlang ritt, war voller großer Lagerfeuer, deren Vorhandensein man sich nicht erklären konnte. Einige Husaren wurden zur Erkundung vorgeschickt und brachten die Meldung, rings um die Feuer säßen Soldaten teils in blauen, teils in weißen Uniformen. Nun wurden zur genaueren Informierung Offiziere abgesandt, und schließlich erfuhr man eine seltsame Tatsache, die in der Geschichte wohl ohne Beispiel dasteht. Die Soldaten beider Armeen hatten


1 Johann Sigismund von Lestwitz, Major im Infanterieregiment Alt-Braunschweig.