<147> und blieb in Verbindung mit Salenmon, der in Konradswaldau eine Zwischenstellung behauptete. Alle diese Detachements hatten vom Feinde um so weniger zu besorgen, als seine Aufmerksamkeit durch die Furcht vor dem Verluste des Magazins von Braunau gefesselt war. Ja, er ließ das Magazin sogar zur größeren Sicherheit nach Scharfeneck in die Grafschaft Glatz überführen.

Wie wir sahen, war der Einfall der Kosaken in Böhmen wirkungslos geblieben. Man mußte also weitere Anschläge auf das Magazin in Braunau aufgeben, zumal die Österreicher es fortschafften. Auf der linken Flanke des Feindes blieb somit nichts weiter zu tun. Der Hauptzweck des Feldzuges war nach wie vor die Wiedereinnahme von Schweidnitz. Der König beschloß daher, etwas gegen den rechten Flügel der Österreicher zu unternehmen und ihre Detachements aus Burkersdorf und Leutmannsdorf zu vertreiben, um ihnen jede Verbindung mit Schweidnitz abzuschneiden.

Der Plan hatte alle Wahrscheinlichkeit des Gelingens für sich. Doch am nächsten Tage wurde er unsicher und fast chimärisch durch den Eintritt eines jener plötzlichen und unerwarteten Ereignisse, die alle Maßregeln der Menschen umwerfen. Eine Revolution hatte die Gestalt der Dinge in Rußland völlig verändert. Tschernyschew brachte dem König zuerst die Nachricht. Eines Nachmittags machte er ihm tränenden Auges die Mitteilung, Peter III. sei soeben von seiner kaiserlichen Gemahlin entthront worden1. Er, Tschernyschew, habe vom Senat Befehl erhalten, seine Truppen auf die neue Herrscherin zu vereidigen und die preußische Armee sofort zu verlassen, um sich nach Polen zurückzuziehen. Den König traf diese Nachricht in seiner jetzigen Lage, mitten in den Operationen des Feldzuges, wie ein Blitzschlag. Alle seine Unternehmungen waren auf den Beistand der Russen berechnet gewesen. Aber so grausam der Schlag auch war, ein Entschluß mußte gefaßt werden; denn es gab keine Abhilfe. Da die fremden Kräfte versagten, mußte man seine Zuflucht zu den eigenen nehmen.

Jene unglückselige Revolution spielte sich folgendermaßen ab. Schon lange herrschte zwischen dem Zaren und seiner Gemahlin ein gespanntes Verhältnis, das seinen Ursprung in einem Liebesabenteuer der damaligen Großfürstin mit dem Grafen Poniatowski2 hatte. Nach der Thronbesteigung Peters III. drohte aus dieser Erkaltung ein offener Bruch zu entstehen. Die Zarin hatte sich verschiedene Vorrechte in der griechischen Kirche angemaßt, die allein der Person des Monarchen zukamen. Der Zar, der eifersüchtig über seine Autorität wachte, erfuhr davon und war wütend. Im ersten Zorn wollte er seine Gemahlin in ein Kloster sperren und eröffnete diesen Plan seinem Großonkel, dem Prinzen von Holstein3. In seiner Torheit und Beschränktheit suchte der Prinz dem Zaren jedoch sein Vorhaben auszureden. Er riet ihm, sich auf


1 Am 18. Juli 1762 zeigte Tschernyschew dem Könige die am 9. erfolgte Absetzung Peters III. an.

2 Graf Stanislaus August Poniatowski, der spätere polnische König, hatte von 1755 bis 1759 in Petersburg geweilt, seit 1757 als polnischer Gesandter.

3 Prinz Georg Ludwig, bis März 1761 preußischer Generalleutnant, war von Zar Peter III. nach Rußland berufen und zum Generalfeldmarschall und Generalgouverneur von Holstein ernannt worden.