<177> zu offenbaren. Erhalte ich aber eine Antwort in Orakelstil, unbestimmt oder nicht bündig, so hat die Kaiserin sich selbst all die Folgen des stillschweigenden Eingeständnisses der gefährlichen Pläne vorzuwerfen, die sie mit Rußland gegen mich geschmiedet hat. Ich rufe den Himmel zum Zeugen an, daß ich an dem Unglück, das daraus entstehen wird, unschuldig bin.

P.S.

Sofort nach der Audienz werdet Ihr den Kurier mit der Antwort abfertigen und dem englischen Gesandten Abschrift zustellen. Da Ihr selbst zu ermessen vermögt, welche Wendung die Dinge nehmen werden, so muß ich Euch vorhersagen: bekomme ich diesmal keinen klareren Bescheid, so bleibt mir nichts übrig als der Krieg, und Ihr werdet Befehl erhalten, abzureisen, ohne Euch zu verabschieden. Das kann am 23. oder 24. geschehen. Ich muß Euch gleich mitteilen, daß Feldmarschall Schwerin1 dann in Neiße ist. Ihr werdet ihn durch denselben Kurier, den Ihr an mich sendet, benachrichtigen, ob es Krieg oder Frieden gibt, damit er dort die geeigneten Maßregeln treffen kann. Die Hauptsache ist, daß ich rasch Nachricht erhalte. Ich muß also durchaus am 15. dieses Monats einen Kurier haben2. Selbst wenn er noch nicht die Antwort bringt, kann ich doch durch ihn erfahren, was Ihr über die Sache denkt.

III
Die dritte Anfrage3

Erlaß des Königs an den Geheimen Kriegsrat von Klinggräffen in Wien

Potsdam, 26. August 1756.

Gestern abend erhielt ich Euren letzten Kurier mit der Antwort, die der Wiener Hof Euch auf die zweite, von ihm geforderte Erklärung ausgefertigt hat. Dies sonderbare Schriftstück kann eigentlich nicht als Antwort bezeichnet werden; denn man berührt und beantwortet darin mit keinem Sterbenswörtchen die von mir gestellte Hauptfrage, ob die Kaiserin-Königin mir zum Zweck der Erhaltung des


1 Schwerin führte die schlesische Armee.

2 Da Klinggräffen nicht ohne Weisung des Königs die Anfrage, wie Kaunitz verlangte, schriftlich zu stellen wagte, verzögerte sich die Ankunft der Antwort.

3 Trotz der unbefriedigenden österreichischen Antwort auf die zweite Anfrage (vgl. dafür S. 183 f.) entschloß sich der König zu einer dritten, da er nach einer ihm zugegangenen Nachricht Grund zu der Annahme zu haben glaubte, daß ein Teil der Antwort Maria Theresias von Kaunitz unterschlagen sei. Dazu kam die Hoffnung auf einen Umschlag der Stimmung in Rußland (vgl. S. 167 Anm. 1). Nur das Postskriptum des Erlasses vom 26. August an Klinggräffen ist eigenhändig vom König verfaßt.