<51> Wort anwenden, das Homer1 von Okeanos sagt: „Mit drei Schritten war er am Ende der Welt.“ In der Tat: Schweden demütigen, Polen hintereinander mehrere Könige geben, die Hohe Pforte erniedrigen und Truppen ausschicken, um die Franzosen an ihren eignen Grenzen zu schlagen — das heißt wirklich, bis ans Ende der Welt gehen! Ebenso sah man das Haus Brandenburg die Bank der Kurfürsten verlassen, um seinen Platz unter den Königen einzunehmen. Im Dreißigjährigen Kriege hatte es gar keine Rolle gespielt; aber der Westfälische Friede brachte ihm Provinzen, die durch gute Verwaltung reich wurden. Der Friede und eine weise Regierung schufen hier eine aufstrebende Macht, die in Europa zuvor fast unbekannt war, weil sie im stillen arbeitete und ihre Fortschritte nicht plötzlich, sondern das Werk der Zeit waren. Man war schier verblüfft, als Brandenburg seine Kräfte zu entwickeln begann.

Frankreichs Gebietserweiterungen, die es sowohl seinen Waffen wie seiner Staatskunst verdankte, kamen rascher und waren ansehnlicher. Die Besitzungen Ludwigs XV. waren um ein Drittel größer als die Ludwigs XIII. Die Freigrafschaft Burgund, Elsaß-Lothringen, sowie ein Teil von Flandern waren dem Königreiche einverleibt und gaben ihm eine sehr viel größere Macht als in der Vergangenheit. Dazu kam vor allem, daß Spanien von einem Zweige des Hauses Bourbon beherrscht wurde, wodurch Frankreich für geraume Zeit von den Diversionen befreit war, die es von den spanischen Königen aus der österreichischen Linie stets zu besorgen gehabt hatte. Es kann jetzt also seine gesamten Kräfte ungehindert gegen jeden seiner Nachbarn wenden.


1 Ilias, 13. Gesang, Vers 20.