<213> Mähren zu ihnen gestoßen waren. Sie besetzten tags zuvor alle Anhöhen auf dem Wege des Markgrafen und pflanzten dort drei Batterien auf, die die Preußen in der Flanke beschossen und auf ihrem Marsche sehr belästigten. Aber der Markgraf ließ sich durch die Hindernisse, die der Feind ihm in den Weg legte, nicht abschrecken. Er bemächtigte sich mit einigen Bataillonen der benachbarten Höhen und der wichtigsten Defileen und stellte am Austritt derselben die Kavallerieregimenter Geßler und Württemberg auf. Sie warfen sich mit unerhörtem Ungestüm auf das Regiment Ogylvi, machten den größten Teil davon nieder, griffen dann das Regiment Esterhazy an, das im zweiten Treffen stand, ließen es gleichfalls über die Klinge springen, sammelten sich wieder, attackierten das Dragonerregiment Sachsen-Gotha, das die österreichische Infanterie unterstützen sollte, schlugen es gänzlich und richteten ein großes Blutbad unter den Flüchtlingen an. Die Feinde ließen mehr als 800 Tote auf dem Platze. Ihre Freischaren, die Zuschauer dieses Treffens, stürzten sich, als sie das traurige Schicksal der regulären Truppen sahen, mit wildem Geheul in die Wälder1. Der Markgraf bewies in diesem Kampfe eine Tapferkeit, die seines Großvaters, des Großen Kurfürsten, würdig war. General Schwerin2 führte die Kavallerieattacke an, die drei verschiedene Regimenter kurz hintereinander niederwarf. Sein Ruhm war um so glänzender, als mit dieser Waffentat die Epoche des Ruhmes für die preußische Kavallerie anbrach. Erstaunlich ist es, wie schnell sich Kühnheit oder Schrecken der großen Masse mitteilen. Im Jahre 1741 war die preußische Kavallerie die unbehilflichste, schwerfälligste und mutloseste in ganz Europa. Nun war sie einexerziert, hatte Gewandtheit, Mut und Selbstvertrauen erlangt und versuchte ihre eignen Kräfte. Es gelang, und da ward sie verwegen. Lohn und Strafe, Lob und Tadel, zur rechten Zeit angewandt, verwandeln den Geist der Menschen und erfüllen sie mit Gesinnungen, die man ihnen im rohen Naturzustande nicht zugetraut hätte. Kommen dann noch große Beispiele von Tapferkeit wie das eben genannte hinzu, die ihre Bewunderung erregen, so ergreift Wetteifer alle Herzen. Einer will es dem andern zuvortun, und gewöhnliche Menschen werden zu Helden. Oft liegen die Talente nur in einer Art von Winterschlaf. Heftige Erschütterungen wecken sie auf; sie ermannen und entwickeln sich. Die Ehrung und Belohnung des Verdienstes erregt die Eigenliebe der Augenzeugen. Im alten Rom waren die Bürger- und Mauerkronen und vor allem die Triumphe ein Ansporn für alle, die auf solche Ehren Anspruch erheben konnten. Es empfahl sich daher, die Ruhmestat von Jägerndorf beim Heere recht herauszustreichen. Der Markgraf, General Schwerin und alle, die sich ausgezeichnet hatten, wurden im Triumphe empfangen. Die Kavallerie wartete mit Ungeduld auf die Gelegenheit, es diesen Helden gleichzutun, ja sie zu übertreffen. Alle brannten vor Begierde, zu kämpfen und zu siegen.


1 Gefecht bei Bratsch, 22. Mai 1745.

2 Generalmajor Reimar Julius von Schwerin.