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Kurz nach der Ankunft des Königs fing der Kleinkrieg mit großer Heftigkeit an. Die Feinde hofften, die Preußen durch ununterbrochene Belästigung allmählich aufzureiben. Ungefähr 10 bis 12 000 Ungarn unter dem alten Feldmarschall Esterhazy und den Generalen Karolyi, Festetics, Spleny und Ghillanyi machten Einfälle in Oberschlesien und drangen soweit wie möglich vor. Major Schaffstedt, der mit 200 Mann nach dem kleinen Flecken Rosenberg detachiert war, wurde angegriffen. Die Feinde steckten das Städtchen in Brand. Der Major hielt sich tapfer, doch von allen Seiten umzingelt, sah er sich gezwungen zu kapitulieren, worauf er zu seinem Regiment in Kreuzburg zurückkehrte1. Der Schimpf mußte vergolten und der Dünkel der neu ausgehobenen ungarischen Truppen gedemütigt werden. Der König sandte Streifkorps gegen sie aus. Es kam zu kleinen Gefechten, dem Vorspiel der entscheidenden Schläge. Da dieses Buch ein Denkmal der Tapferkeit und des Ruhmes der um ihr Vaterland verdienten Offiziere sein soll, so halten wir es für unsere Pflicht, ihre Heldentaten der Nachwelt zu berichten und sie durch solche Beispiele von Seelengröße zur Nacheiferung anzufeuern.

Die Leitung des Unternehmens erhielt Winterfeldt wegen seiner seltenen Verdienste. Er ging mit 6 Bataillonen und 1 200 Husaren bei Kosel über die Oder, während Goltz mit einem Bataillon und 500 Husaren den Fluß bei Oppeln überschritt, um gemeinschaftlich mit ihm die Ungarn unter Esterhazy anzugreifen. Winterfeldt überfiel das Dorf Slawentzitz, wo er 120 Gefangene machte. Er hörte links von sich ziemlich lebhaftes Feuer und rückte sogleich dorthin. Es waren 5 000 Ungarn, die das Goltzsche Detachement umzingelt hatten. Winterfeldt griff sie an und trug einen völligen Sieg davon2. Spleny rettete sich mit seinen Husaren, nachdem er 300 Mann und seine Bagage verloren hatte. Winterfeldt hatte damit noch nicht genug. Er setzte die Verfolgung fort und stieß am folgenden Tag auf 2 000 Husaren, die sich vor einem Sumpfe postiert hatten. Er warf sie in den Sumpf, wo der größte Teil umkam oder gefangen genommen wurde. Durch diese Erfolge erlangten die preußischen Husaren allmählich ein Übergewicht über die ungarischen. Der Husarenoberst Wartenberg schlug noch eine große Abteilung Insurgenten bei Kreuzburg und zerstreute sie gänzlich (20. April).

Während dieses Vorspiels zum Kriege rückte das Frühjahr heran. Der April ging zu Ende. Es war Zeit, die Armee zusammenzuziehen. Sie bezog Kantonnementsquartiere zwischen Patschkau und Frankenstein. Man stellte Wege für vier Kolonnen her in der Richtung auf Jägerndorf, Glatz und Schweidnitz. Hier mußte der Feind aus dem Gebirge heraustreten. Die von den Österreichern angelegten Magazine und die Orte, wo ihre regulären Truppen sich zu versammeln begannen, verrieten ihre Absichten deutlich. Man merkte, daß die Insurrektionstruppen und die Ungarn in Oberschlesien nur dazu bestimmt waren, die Preußen irrezuführen und sie dorthin zu locken,


1 8. April 1745.

2 12. April 1745. Die Einzelheiten der Darstellung sind ungenau.