<247> Die Erlaubniß, welche Voltaire zum Druck einer andern Schrift vom Könige erhalten hatte, benutzte er, auch den Akakia drucken zu lassen. In des Marquis von Condorcet's Leben Voltaire's wird mit manchen entstellten Umständen erzählt, daß Voltaire dem Könige die Schrift gezeigt habe, und Beide hätten darüber gelacht, jedoch habe Voltaire dem Könige versprechen müssen, diese Schrift zu unterdrücken und nicht bekannt werden zu lassen, Voltaire versprach es, hielt aber nicht Wort, sondern ließ die Schrift auswärts drucken +, oder schickte die Exemplare der ersten in Berlin (wahrscheinlich mit falscher Angabe des Orts) gedruckten Auflage nach außerhalb, von wo bald wieder Exemplare nach Berlin kamen, und die Schrift überall bekannt, und an verschiedenen Orten nachgedruckt wurde, überhaupt ein sehr großes Aufsehn machte. In Paris wurden, wie Voltaire selbst unter dem 17. Januar 1753 aus Potsdam an Formey in Berlin schrieb, an einem Tage 6000 Exemplare vom Akakia verkauft, dennoch läugnete er gegen den König, Antheil an dem neuen Druck und der Bekanntwerdung der Schrift zu haben. Dies war die Veranlassung zu jenem harten Schreiben des Königs.
     

Auf die Schrift, welche der König am 27. November Voltaire zur Unterschrift vorlegte, antwortet er auf demselben Blatte Folgendes: "Ich werde, Sire, alle Befehle Ew. Majestät befolgen, und es wird meinem Herzen nicht schwer werden, Ihr zu gehorsamen. Ich bitte Ew. Majestät nochmals, zu erwägen, daß ich gegen keine Regierung geschrieben habe, noch weniger gegen die, unter der ich geboren bin, und welche ich nur verlassen habe, meine Tage zu den Füßen Ew. Majestät zu enden. Ich bin Historiograph von Frankreich gewesen, und in dieser Eigenschaft habe ich die Geschichte Ludwigs XIV. und die Feldzüge Ludwigs XV., welche ich an Herrn d'Argenson geschickt habe, geschrieben. Meine Stimme und meine Feder sind meinem Vaterlande gewidmet gewesen, wie Ew. Majestät Befehlen."


+ So wird die Sache allgemein erzählt, allein es scheint richtiger, daß Voltaire dem König die Schrift nur im Manuscript zu lesen gegeben, und dann erst die Erlaubnis, die Voltaire zum Druck einer andern Schrift hatte, auch zum Druck des Akakia benutzte.