<44>Darum heg' ich Bewunderung nur
Für jene Fürsten, mild und gerecht,
Die einem glücklichen Geschlecht
Als Sterne der Huld sind aufgegangen.
Pompejus war im Kampfe gefällt,
Bezwungen lag vor Cäsar die Welt;
Mit Zittern und Bangen
In seine Hand gegeben waren
All seiner Feinde zersprengte Scharen,
Ihr Los seiner Gnade anheimgestellt;
Und seht, da pries man weit und breit
In Rom nur Cäsars Menschlichkeit.
Nicht durch Gewalt seiner Waffen allein
Wollt' er ein Herr über Seelen sein:
Die Gegner selbst, durch Milde nur bezwungen,
Sie nahten ihm beschämt mit Huldigungen.
So hat's auch der große Heinrich1 gehalten:
Wohl dürft' er als herrischer Sieger schalten,
Allein was tat er?
Mild wie ein Vater,
Mit Wohltaten hat er sie überschüttet!
Er kannte den Jammer einer Stadt,
Wo Hungersnot wütet,
Und als großmütiger Gegner hat
Er Hilfteich vor dem Ärgsten sie behütet;
Mehr als das Hochgefühl, Herr zu sein,
Galt's ihm, zu lieben, zu verzeihn.
Wie hörte man den Frankenkönig2 sprechen?
Ein Königswort, drin hoher Sinn sich bekundet,
Den keine Unbill versehrt und verwundet!
„Meint ihr“, sprach er, „ich wollte als König rächen
„Die Kränkung, die man mir angetan
„Als Herzog von Orleans?“
Seht Titus, dessen Ruhmgedächtnis
Die Welt als köstliches Vermächtnis
Im Herzen hegt: Beweinenswert,
Verloren deucht' ihn jedesmal


1 König Heinrich IV. von Frankreich bei der Belagerung von Paris (1594).

2 König Ludwig XII. von Frankreich, bei seiner Thronbesteigung.