<37> und seid Ihr dem Feinde um einen Marsch voraus, so wendet Ihr Euch unversehens nach dem Orte, wohin Ihr eigentlich wolltet, und bemächtigt Euch seiner.

Wollt Ihr dem Feind eine Schlacht liefern, er aber scheint ihr ausweichen zu wollen, so laßt Ihr aussprengen, Eure Armee habe sich geschwächt, oder Ihr spielt den Furchtsamen, eine Rolle, die wir vor der Schlacht bei Hohenfriedberg spielen mußten. Ich ließ nämlich Wege anlegen, als ob ich beim Anmarsch des Prinzen von Lothringen in vier Kolonnen nach Breslau marschieren wollte1. Seine Eigenliebe erleichterte mir die Täuschung. Er rückte in die Ebene hinab und wurde geschlagen.

Bisweilen zieht man sein Lager eng zusammen, damit es schwächer aussieht, und schickt kleine Detachements ab, die man für beträchtlich ausgibt, damit der Feind Eure Schwäche verachtet und sich seines Vorteils begibt. Hätte ich im Jahre 1745 die Absicht gehabt, Königgrätz und Pardubitz zu nehmen, so hätte ich nur zwei Märsche durch die Grafschaft Glatz gegen Mähren zu machen brauchen. Dann wäre der Prinz von Lothringen gewiß herbeigeeilt, weil diese Demonstration ihn um Mähren besorgt gemacht hätte, woher er seine Lebensmittel bezog, und er hätte Böhmen verlassen2. Denn der Feind wird immer besorgt sein, wenn man Festungen und Orte bedroht, die seine Verbindung mit der Hauptstadt sichern oder in denen er sein Magazin hat.

Hat man dagegen nicht die Absicht, eine Schlacht zu liefern, so gibt man sich für stärker aus, als man ist, und tut weiter nichts, als feste Haltung zu zeigen. Die Österreicher sind darin rechte Meister, und bei ihnen muß man in die Schule gehen, um dergleichen zu lernen. Eure feste Haltung erweckt den Anschein, als wolltet Ihr gern mit dem Feinde handgemein werden. Ihr laßt die verwegensten Pläne aussprengen. Oft glaubt der Feind dann, er möchte kein leichtes Spiel mit Euch haben, und hält sich gleichfalls in der Defensive.

Diese Kriegsweise besieht zum Teil in der Kunst, gute Stellungen zu wählen und sie nur im äußersten Notfall zu verlassen. Alsdann geht Euer zweites Treffen zuerst zurück, und das erste folgt ihm unvermerkt. Da Ihr Defileen vor Euch habt, so hat der Feind keine Gelegenheit, Euren Rückzug auszunutzen. Beim Rückzuge selbst wählt man zweideutige Stellungen, die dem Feinde zu denken geben. Seine Besorgnis macht ihn furchtsam, Ihr aber gelangt indirekt zu Eurem Ziele.

Eine andre Kriegslist besieht darin, daß man dem Feind mehrere Kolonnenspitzen präsentiert. Nimmt den Scheinangriff für den rechten, so ist er verloren. Durch List nötigt man den Feind auch zu Detachierungen und geht ihm zu Leibe, sobald er seine Detachements abgesandt hat. Eine der besten Kriegslisten ist die, daß man den Feind einschläfert, wenn die Zeit der Winterquartiere kommt, wo die Truppen sich auseinanderziehen. Man geht dann zurück, um nachher desto besser vorzudringen.


1 Vgl. Bd. 11, S. 212.

2 Vgl. Bd. 11, S. 22.