<22> Dörfer in Brand und marschierten nach Verwüstung des ganzen Landes auf Herrnstadt, wo man ihnen aber zuvorkam. In ihrer angeborenen Brutalität beschossen sie die Stadt aus Rache mit Bomben und legten sie in Asche (23. Oktober). Trotzdem mußten sie bei dem engen Gelände, das sie besetzt hielten, aus Wassermangel schließlich wieder abziehen und Schlesien räumen.

Der König bekam damals einen starken Gichtanfall und ließ sich nach Beendigung der Operationen gegen die Russen nach Glogau bringen.

Die Russen war man für dies Jahr also los. Doch blieben noch Handstreiche Laudons gegen Schlesien zu befürchten. Zu seiner Beobachtung befahl der König Fouqué, seine Stellung bei Landeshut zu verlassen und den Österreichern von Trachenberg bis Ratibor zur Seite zu marschieren. Infolgedessen mußte Laudon, um Olmütz wieder zu erreichen, über Krakau und quer durch das Fürstentum Teschen ziehen.

In Schlesien war die Armee des Königs nun nicht mehr erforderlich. Sie rückte also unter Hülsens1 Führung nach Sachsen. Um uns bei der Aufzählung so vieler verschiedener Ereignisse nicht zu zersplittern, wollen wir jetzt die Operationen des Prinzen Heinrich in der Lausitz der Reihe nach aufzählen. Wir hatten ihn zuletzt bei Görlitz verlassen. Daun hatte sich seinem Lager genähert, um ihn anzugreifen. Aber der Prinz brach in der Nacht auf, marschierte über Rothenburg und griff am folgenden Tage bei Hoyerswerda das Korps Velas an. Der General wähnte sich vor jedem Überfall sicher. Plötzlich umringte ihn die preußische Kavallerie, durchbrach seine Infanterie und nahm Vela mit 1 500 Kroaten, der Hauptmacht seines Detachements, gefangen (25. September). Am Tage vor seiner Niederlage hatte Vela einen Brief von Daun mit der Versicherung erhalten, er könne ganz ruhig sein und sich auf den Schutz des Feldmarschalls vor etwaigen Angriffen des Prinzen Heinrich verlassen.

Nach diesem Zuge richtete der Prinz seinen Marsch auf Elsterwerda. Nach Lage der Dinge hätten die Preußen sich jetzt sofort bei Meißen vereinigen müssen, aber die Elbbrücke war zerstört, und die Mittel zu ihrer raschen Wiederherstellung fehlten. So mußte der Prinz denn bei Torgau über die Elbe gehen. Zugleich überschritt Feldmarschall Daun den Fluß bei Dresden und rückte dann auf Meißen. Zu schwach zum Widerstand, zog sich Finck auf Torgau zurück und vereinigte sich mit dem Prinzen Heinrich. Am 4. Oktober bezogen die Preußen eine Stellung bei Strehla. Die Österreicher rückten gegen sie vor und lagerten sich zwischen Riesa und Oschatz. Ihre Detachements dehnten sich bis Dahlen, Hubertusburg und Grimma aus. Der Prinz hatte ein Korps auf den Berg bei Schildau gestellt, das sich nun zum Rückzug in die Torgauer Wälder genötigt sah. Dadurch wurde der Prinz um seine rückwärtigen Verbindungen besorgt und marschierte zur Deckung seines Proviants wieder nach


1 Der erkrankte König hatte dem General Hülsen das Kommando übertragen.