<120> auf die Orientalen so stark wirkten, daß sie die beschlossenen Maßnahmen rückgängig machten und alle ihre Pläne aufgaben. Der Pascha aber wurde mit Geschenken für sich und seinen Herrn heimgeschickt; denn bei jenen Völkern ist alles käuflich. Der Tartar hatte seine Handlungen und Dienste genau abgeschätzt: soviel mußte man ihm für eine günstige Antwort zahlen, soviel für das Zusammenziehen der Truppen, soviel für Demonstrationen, soviel für einen Brief an den Großherrn. Der einzige Unterschied zwischen dem Schacher der Orientalen und anderer Völker scheint mir der zu sein, daß jene sich ohne Erröten entehren und sich ihrer schändlichen Leidenschaft hingeben, die Europäer aber wenigstens einige Scham dabei heucheln.

Während dieser Versuche zur Aufwiegelung des Orients wurden die Dinge in England täglich verwickelter. Frankreich hatte Bussy zu Friedensverhandlungen1 nach London gesandt. Aber seine Gegenwart schläferte das britische Ministerium nicht so ein, wie der Hof von Versailles gewähnt hatte. Höchstens die Zurüstungen zur See verrieten etwas weniger Eifer. Nichtsdestoweniger nahmen die Engländer noch während der Verhandlungen die Insel und das Fort Belle-Isle ein und bemächtigten sich sogar Pondicherys in Hinterindien, wo sie die bedeutenden Niederlassungen der französisch-indischen Kompagnie zerstörten. Bussys Verhandlungen in London kamen nur wenig vom Fleck. Um die Engländer zu ködern, spiegelte Choiseul Stanley2 die verlockendsten Aussichten vor, aber die Auslegungen, die Bussy ihnen zu geben wußte, machten sie immer wieder zunichte.

Dies politische Geplänkel dauerte bis Ende 1761. Dann erst wurden die Unterhandlungen mit größerem Eifer aufgenommen. Frankreich merkte, daß es mit seiner


1 Vgl. G. 85.

2 Der englische Unterhändler in Paris.