<27> man, einen Gassenhauer, dessen Kehrreim lautete: „O Mönche! O Mönche! Ihr müßt heiraten1!“ Der Erfolg war erstaunlich.

Calvin zog sich nach Basel zurück, wo er seine Institutio2 drucken ließ. Dann bekehrte er die Herzogin von Ferrara, eine Tochter Ludwigs XII. Im Jahre 1536 bewirkte er den Übertritt der Stadt Genf zu seinen Lehren. Er ließ dort Michael Servet, der sein Feind war, verbrennen: aus einem Verfolgten ward er ein Verfolger. Die reformierte Religion wurde in Frankreich bald verfolgt, bald geduldet und mußte oft den Vorwand zu blutigen Kriegen bieten, die mehr als einmal das Reich umzustürzen drohten.

Heinrich VIII., König von England, hatte vom Papst Leo X. den Titel Verteidiger des Glaubens erhalten, weil er gegen Luther geschrieben hatte. Derselbe Heinrich VII!., der sich mittlerweile in Anna Boleyn verliebt hatte, schied aus eigener Machtvollkommenheit seine Ehe mit Katharina von Aragon, da er den Papst nicht überreden konnte, die Scheidung auszusprechen. Klemens VII., ein Nachfolger Leos X., war so unvorsichtig, den König zu exkommunizieren. Danach warf Heinrich schon im Jahre 1533 das Joch des Papstes ab. Er ernannte sich selbst in London zum Papst und bahnte der neuen Religion, die nach ihm in England eingeführt wurde, den Weg.

Will man also die Ursachen für die Fortschritte der Reformation auf einfache Grundlagen zurückführen, so sieht man, daß sie in Deutschland auf dem Eigennutz beruhte, in England auf der Liebe und in Frankreich auf dem Reiz der Neuheit oder vielleicht gar auf einem Lied. Man braucht nicht zu glauben, Johann Huß, Luther oder Calvin seien überlegene Genies gewesen. Mit den Häuptern von Sekten geht es wie mit den Botschaftern: oft haben dabei die mittelmäßigen Geister den größten Erfolg, vorausgesetzt, daß sie vorteilhafte Bedingungen zu bieten haben. Die Jahrhunderte der Unwissenheit zeitigten Fanatiker und Reformatoren. Jetzt scheint der menschliche Geist endlich der Dispute und Kontroversen satt zu sein: man überläßt es Theologen und Metaphystkern, auf den Schulbänken miteinander zu hadern. Und seit in den protestantischen Ländern die Geistlichen nichts mehr zu verlieren haben, seitdem haben die Häupter neuer Sekten nichts mehr zu gewinnen.

Kurfürst Joachim II. erwarb durch das Abendmahl unter beiderlei Gestalt die Bistümer Brandenburg, Havelberg und Lebus, die er der Mark einverleibte.

Dem Bund, den die protestantischen Fürsten 1531 in Schmalkälden schlossen, trat er nicht bei. Er erhielt der Kurmark die Ruhe, während der Krieg Sachsen und die Nachbarländer verwüstete. Der Religionskrieg begann 1546 und wurde durch den Frieden von Passau und Augsburg beendet3.


1 Anmerkung des Königs: „Vgl. den dictionnaire von Moréri unter Calvin.“

2 Instituto christianae religionis (1536).

3 Der Passauer Vertrag, der den Anhängern der augsburgischen Konfession freie Religionsübung bis zum nächsten Reichstag zugestand, wurde 1552, der Augsburger Religionsfriede, der die protestantischen Reichstände den katholischen rechtlich gleichstellte, wurde 1555 geschlossen.