<232>Und ordnet, schmiegt sich Euren Wünschen nur.
Wer hier spaziert, dem wandelt wie im Traum
Ein schönes Bild sich rasch ins Neugeschaffne:
Wie jene von Apoll verfolgte Daphne
Urplötzlich schmolz in einen Lorbeerbaum.
Hier darf Rinaldo bei Armiden ruhn.
Hier ziehn Ovids Gottheiten hoheitsvoll
An uns vorüber: Venus, Mars, Neptun,
Diana, Pallas, Jupiter, Apoll,
Merkur und Pluto, der nicht fehlen soll.

Die Götter all, von denen Dichter träumen,
Hier ragen ihnen klassische Altäre.
Es bringen Priester in geweihten Räumen
Die Opferspende dar zur Götterehre.
Die Färse wird geschlachtet, und ihr Blut
Besprengt das Heiligtum; aus roter Glut
Entloht die Flamme, draus der Weihrauch steigt.
Ich glaube fast, es wär' bei solchen Spielen
Der Römer Symmachus1 Euch wohlgeneigt,
Da Ihr Euch nähert seinen schönern Zielen,
Indes manch andre Kulte ihm mißfielen.

Ihr liebt die Mythe und könnt doch als Christ
In Eurem Herzen echten Glauben bergen,
Und so berieft ihr einen Trupp von Zwergen.
Wenn plötzlich man in ihrer Mitte ist,
Dann glaubt man sich — so kommt uns Schein zunutz! —
Mt Gulliver im Reiche Liliputs.
Ich meinte, als das Völklein mich umstand,
Typhoeus, Geryon oder der Gigant
Enkelados2 zu sein. Ein Glockentürmchen
Entragte dem Quartiere dieser Würmchen,
Das nicht die Höhe meines Scheitels fand.
So ähnlich sehn wir in Birgits Gedichten


1 Quintus Aurelius Avianus Symmachus, 384 Präfett vonRom, hatte sein Bestreben auf die Aufrechterhaltung des Heidentums gerichtet.

2 Typhoeus, ein Gigant; Geryon, ein Riese mit drei Leibern, den Herakles erschlug: auf den hundertarmigen Enkelados schleuderte Zeus den Ätna.